Chronik der TS Röthis

Die Turnbewegung hat in Röthis bereits sehr früh einige Pioniere bewogen, auf diesem Gebiet Aktivitäten zu setzen. Aus bescheidenen Anfängen ist dann über Jahrzehnte hinweg trotz mancher Rückschläge ein Verein organisch gewachsen, der - gemessen an seiner Mitgliederzahl - in der Gemeinde Röthis ganz vorne rangiert.

1910    
Bereits in diesem Jahr turnen einige Burschen in Röthis noch ohne Verein. Dazu wird im Freien ein Turnreck, bestehend aus 2 Eisenpfosten und einer Eisenstange aufgestellt, dem bereits 1912 ein zweites folgt.

1913 
genau genommen am 13. Juli kommt es dann zur Gründungsversammlung des „Turnvereines Röthis“ im Gasthof Frühlingsgarten, wobei Franz Josef Koch zum ersten Vorstand des neuen Vereins bestellt wird. 17 Burschen turnen bereits zu diesem Zeitpunkt aktiv. Entgegen der häufigen Meinung, dass Turnen nichts kosten darf, wird damals bereits eine Aufnahmegebühr von 2 Kronen sowie ein Monatsbeitrag von 30 Hellern von allen Aktiven eingehoben.

Da zu der Zeit aus politischen und weltanschaulichen Gründen ein Turnverein in Röthis nicht gerne gesehen wird, muss eine nochmalige Gründungsversammlung mit der erforderlichen Namensänderung abgehalten werden. Bei dieser Gründungsversammlung am 08.12.1913 wird die Vereinsbezeichnung „Turnerbund Röthis“ festgelegt. Als Obmann wird Josef Knünz gewählt. Auf Grund dieser Namensänderung wird dem jungen Verein das Probelokal im alten Schulhaus sowie auch finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde Röthis zugestanden.

1914    
Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges zählt der Turnerbund Röthis bereits ca. 30 aktive Mitglieder. Infolge der Einberufung fast aller Mitglieder an die Fronten kommt der Turnbetrieb während dieser Zeit beinahe vollständig zum Erliegen. 3 Turner kehren nach Ende des Krieges nicht mehr in die Heimat zurück.

1919    
Wann der Turnbetrieb nach dem Krieg wieder genau aufgenommen wird, ist heute nicht mehr feststellbar. Im Matrikelbuch sind jedoch Aufzeichnungen zu finden, die auf das Jahr 1919 hinweisen und einen Mitgliederstand von ca. 35 - 40 Aktiven nennen.

1923    
Aufgrund der dann einsetzenden regen Vereinstätigkeit kann der Turnerbund Röthis am 1. und 2. September – unter Vorstand Oskar Kopf und Turnwart Heinrich Fenkart - das 10-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe und Wetturnen durchführen. Als Fahnenpatin fungiert Anna Nesensohn, Fähnrich ist Josef Peter.

Der Wettkampf besteht aus einem turnerischen Zehnkampf, einem volkstümlichen (leichtathletischen) 6-Kampf und einem Mannschaftswettkampf für Vereinsmannschaften. Schon damals sind zahlreiche Schweizer Vereine als Gäste anwesend. Infolge der Schlechtwetterperiode in der Vorwoche entschliesst man sich erstmals in Röthis ein Zelt aufzubauen, um die Festivität reibungslos abwickeln zu können. Mit dem Erlös dieses Festes wird ein zum Kauf angebotener Weintorkel – der „Landamann-Atzger-Torkel“ als vereinseigenes Turnlokal angekauft.

1926    
Am 25. November wird dieser jedoch wieder an Hermann Marte um S 800,- verkauft.
In den folgenden Jahren erlebt der Turnerbund Röthis unter verschiedenen Obmännern und Turnwarten eine rege Vereinstätigkeit, in dessen Rahmen Turnfeste, Staffelläufe, Turnerkränzchen und dergleichen durchgeführt werden. Bei der Teilnahme an Turnfesten im In- und Ausland können verschiedene Einzel – und Mannschaftssiege sowie sonstige ausgezeichnete Platzierungen erzielt werden.

1939    
Infolge des Anschlusses an das Deutsch Reich wird der Turnerbund Röthis am 29. November aus politischen Gründen aufgelöst und die vorhandenen Geräte von der Gemeinde Röthis der damaligen HJ zur Verfügung gestellt. Die Vereinsfahne kann von Obmann Heinrich Fenkart gerettet und in Sicherheit gebracht werden.

1948    
Am 22. März entsteht der Verein nach den Wirren des 2. Weltkrieges neu. Als provisorischer Vereinsvorstand werden Marte Johann, Kopf Heinrich, Marte Heinrich, Wehinger Erich und Bildstein Hans namhaft gemacht, wobei Marte Johann die Funktion des Obmannes übernimmt.

1949         
Die Eingliederung in die Vorarlberger Turnerschaft und die gleichzeitige Umbenennung in „Turnerschaft Röthis“ erfolgt am 05. Februar.

In diesen Jahren wird auch der Neubau des Vereinshauses in Angriff genommen. Damit entsteht für damalige Verhältnisse ein großzügiger Mehrzwecksaal, in dem die Turner eine geräumige Trainingsstätte zur Verfügung haben. Dies wirkt sich entscheidend auf den gesamten Turnbetrieb der folgenden Jahre aus.

1953         
In diesem Jahr kann unter Obmann Willi Moosbrugger das 40-jährige Gründungsfest mit Schauturnen in Szene gehen. In seiner Vorstandszeit erlebt die Turnerschaft Röthis eine Blütezeit und tritt dem VLV und ÖLV bei.
Eine intensive Breitenarbeit bringt die entsprechenden Erfolge bei Turnfesten und Meisterschaften. In der Leichtathletik werden von Armin Plattner, Josef Pfaffstaller und Karl Pfaffstaller Landesrekorde aufgestellt; im Kunstturnen erzielen Reinelde Bachmann, Martin Bachmann und Martin Schnetzer ausgezeichnete Platzierungen. Frauen- und Männersektionen belegen im In- und Ausland im Vereinswetturnen vordere Plätze.

1960    
Nach dem Ableben von Obmann Willi Moosbrugger leitet Erich Wehinger, der vorher lange Jahre Turnwart war, die Geschicke des Vereines bis 1967. Besondere Aufmerksamkeit gilt in dieser Zeit dem Kunstturnen.

1967    
Mit der Übernahme der Obmannfunktion von Keckeis Hans beginnt eine neue Zeitepoche für die Turnerschaft Röthis. In seiner Amtszeit wird vor allem dem Frauenturnen (Gesundheitsturnen) unter Leitung von Frau Hilde Keckeis sowie der Leichtathletik unter Obmannstellvertreter Sturn Elmar Augenmerk geschenkt. Zu dieser Zeit wird die erste Vereinsmeisterschaft durchgeführt, ebenso die traditionellen Turnerkränzchen wieder einleitet.

1970    
Nun übernimmt Elmar Sturn die Funktion des Obmannes. Sein besonderes Ziel ist die Breitenarbeit, Riegen- und Trainerausbildung sowie die Einführung der Gymnastik. In dieser Zeit verdreifacht sich der Mitgliederstand auf ca. 300 Mitglieder. Ca. 12-15 Riegen turnen wöchentlich in allen Sparten, wobei besonders die Leichtathletik mit beachtlichen Erfolgen aufwarten kann.
Mit der Einführung der Gymnastik als eigenständige Sportart werden recht rasch bei Verbands- und Landesturnfesten, wie auch in der benachbarten Schweiz, Erfolge gefeiert.

1975         
Vorläufiger Höhepunkt für die Gymnastik-Sparte der TS Röthis ist die Teilnahme von 6 Mädchen bei der Gymnaestrada in Berlin, sowie der anschließende Besuch einer Gymnastikgruppe aus Brasilien in Röthis.
Am 22. November übernimmt Willi Schwärzler die Agenden des Vereinsobmannes. Die Breitenarbeit wird fortgesetzt und der neuen Sportart „Rhythmische Sportgymnastik“ ein Hauptaugenmerk geschenkt.

1978         
Bereits 3 Jahre nach dem Auftritt in Berlin gibt es für den Verein den nächsten triftigen Grund, ein ordentliches Fest zu veranstalten. Schließlich steht das Jahr 1978 ganz im Zeichen von „65 Jahre Turnen in Röthis“, was auch zum Anlass genommen wird, die neue Vereinsfahne einzuweihen. Als Fahnenpate fungiert Jakob Marte, der auch heute noch als Riegenleiter zu einem der Aktivposten in unserem Verein zählt. Und aufgrund der außergewöhnlichen Leistungen von Monika Bachmann in der Rhythmischen Sportgymnastik (mehrfache Staatsmeisterin) wird sie zur Fahnenpatin gewählt.
Die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne war der TS Röthis schon seit langem ein Anliegen. Durch die großzügige Mithilfe der Ortsbevölkerung ist es möglich, nach 55 Jahren eine solche anzuschaffen und ein 2-tägiges Fest am 16./17. September für die Fahnenweihe zu veranstalten.
Ebenfalls 1978 fällt der Startschuss für die ersten Wettläufe auf der Kunststoffbahn der neu eröffneten Sportanlage an der Ratz.

Der Sportplatz wird in den folgenden Jahren v.a. als Trainingsstätte für unsere Leichtathletikgruppen verwendet und etabliert sich zudem als idealer Austragungsort für die Vorarlberger Landesmeisterschaften im Sektionsturnen, welche die Turnerschaft Röthis annähernd 20 Jahre lang in ununterbrochener Reihenfolge mustergültig veranstaltet.

1988    
Unter der Führung des neuen Obmanns Harald Rauch erfährt die Turnerschaft Röthis eine überaus positive Entwicklung im Breitensport als auch im Spitzensport. Darüber hinaus etablieren sich etliche Funktionäre unseres Vereins in der Verbandsspitze (Harald Rauch, Hilde Keckeis, Annires Marchetti) und sorgen so gleichzeitig für Auftrieb in der Vorarlberger Turnerschaft.

2000    
Thomas Bachmann übernimmt die Obmannfunktion von Harald Rauch, der für seine unzähligen Verdienste um den Verein zum Ehrenobmann ernannt wird; das Aushängeschild des Vereins, Thomas Zimmermann wird zum Vorarlberger „Sportler des Jahres“ gewählt und damit für seine jahrelange Dominanz im österreichischen Kunstturnsport wie auch für seine unzähligen internationalen Erfolge geehrt.

2003    
28 Jahre nach Berlin kommt es zur nächsten Gymnaestrada-Teilnahme der TS Röthis: Diesmal jedoch stellt der Verein in Lissabon/Portugal ein eigenständiges Team aus Gymnastinnen, Sektionsturnerinnen sowie Mitgliedern der Männer- und Frauengruppen und übertrifft mit knapp 50 TeilnehmerInnen sämtliche Erwartungen. Die Auftritte der Röthner Mannschaft, die spektakuläre Eröffnungsfeier, das riesige Expo-Gelände sowie das einzigartige Flair der Gymnaestrada hinterlassen unvergessliche Eindrücke beim Röthner Team.

2005    
Thomas Zimmermann präsentiert in einem glanzvollen Gala-Abend die von Doris Rinke gestaltete Turn-Biographie „Anlauf – Salto – Zimmermann“, nachdem er im Frühjahr 2004 seine beispiellose Karriere beendet hat.

Erstmals treten 2 Röthner Gruppen (Sektionsgruppe „Austrian Spirit“, Männergruppe „7 Zwerge“) beim größten Breitensportturnfest der Welt, dem Internationalen Deutschen Turnfest in Berlin, auf. Ein Höhepunkt unter vielen ist dabei die Aufführung unserer Sektionsgruppe bei der Internationalen Soiree, einem Showabend der besten internationalen Teams.

2006    
Rechtzeitig zur bevorstehenden Weltgymnaestrada wird eine neue Vereinsfahne angeschafft. Zur Fahnenpatin wird Patricia Beiter bestellt, die Funktion des Fähnrichs übernimmt Wolfgang Haas.

2007    
Die Turnerschaft Röthis steht ganz im Zeichen der Weltgymnaestrada, bei der mehr als 22.000 Teilnehmer aus über 50 Nationen Vorarlberger Gastfreundschaft erfahren und restlos begeistert sind. Mehr als 100 freiwillige Helfer sorgen dafür, dass sich das Nationendorf Röthis als perfekter Gastgeber für unsere tschechischen Gäste präsentiert. Sowohl in organisatorischer als auch finanzieller Hinsicht kann bei einem Helferfest zum Jahresende eine sehr positive Bilanz gezogen werden.

2009    
Wie bereits vor 4 Jahren, ist eine Männergruppe beim Internationalen Deutschen Turnfest (diesmal in Frankfurt) vertreten und begeistert das Publikum bei der „Matinee der reifen Leistungen“. Die Turnerschaft Röthis führt erstmals die Ländle-Gym durch, die Nachfolgeveranstaltung der Sektionsmeisterschaften, welche sich auf Anhieb als Erfolgskonzept entpuppt. Etliche Vereinsmitglieder sind federführend bei der Gym for Life World Challenge vertreten, welche in Dornbirn ihre erfolgreiche Premiere feiert.  Zum Jahresende kommt ein Brief der FIG: Röthis ist als einziger österreichischer Verein für die FIG-Gala im Rahmen der Weltgymnaestrada 2011 qualifiziert.

2010    
Ein überaus erfolgreicher Herbst in sportlicher Hinsicht: Die Sektionsgruppe unter der Leitung von Kerstin Beiter wird bereits zum 4. Mal Schweizer Meister im Vereinsturnen. EM-Teilnehmerin Michelle Breuß holt sich kurz darauf den RG-Staatsmeistertitel bei den Juniorinnen.

2011
Highlight des Jahres ist sicherlich die Teilnahme der TS Röthis an der 14. Weltgymnaestrada in Lausanne/Schweiz. Neben mehreren Gruppenvorführungen eines Röthner Teams (gemeinsam mit der TS Egg) sowie der Mitwirkung der Röthner Jugendsektion von Patricia Beiter und Claudia Woblistin beim „Österreich-Abend“ sind es v.a. die Auftritte der Sektion von Kerstin Beiter bei den FIG-Gala-Veranstaltungen, die als absolute Höhepunkte einer denkwürdigen Gymnaestrada-Woche in Erinnerung bleiben werden. Erstmals ist die TS Röthis – als einzige österreichische Gruppe - bei den weltbesten Vereinsteams mit dabei und hinterlässt einen hervorragenden Eindruck. Apropos hervorragend: Das sind einmal mehr auch die Röthner Gymnastinnen, die mit der EM-Teilnahme von Michelle Breuß sowie Noelle Breuß als 6-facher Siegerin bei den österreichischen Schülerinnenmeisterschaften nahtlos an die Erfolge der Vorjahre anschließen.

2012
Mit Michelle Breuß sowie Nicole Weinl sind erstmals gleich 2 Röthner Gymnastinnen bei einer Europameisterschaft (im russischen Nischni Nowgorod) im Einsatz! Auf nationaler Ebene gibt es bei den 3 Titelkämpfen (Jugendmeisterschaften, Staatsmeisterschaften, Gruppen-Staatsmeisterschaften) nicht weniger als 20 (!) Medaillen (darunter 5 x Gold) zu feiern. Bei der von der Gemeinde durchgeführten Sportler- und Funktionärsehrung werden gleich 28 (!) Aktive und 3 Funktionäre für ihre Leistungen und Verdienste geehrt. Die Enttäuschung des Jahres ist die erforderliche Absage der 4. Ausgabe der Ländle-Gym mangels eines akzeptablen Meldeergebnisses.